Gastronomie hinterm Vorhang...

Posted July 14, 2009

Von Vertretern, Inspektoren, Inspektoren - Inspektoren 

Noch vor geraumer Zeit wurden Wirte in kurzen Abständen von "Vertretern" besucht. gut angezogene Herren und Damen, durchwegs mit gutem Benehmen brachten viele hilfreiche Produkte ins Haus. Stellten sie vor, gaben Gratis - Warenproben. Tranken einen Kaffee und verschwanden wieder. Ob Weinhändler oder Suppenwürzefabrikant, jede Firma hatte ihre "Vertreter".

Jetzt sind sie eine rare Spezies geworden. Anstelle der Vertreter sind andere Dinge im Spiel um Produkte an den Wirt zu bringen. Der Zusammenschluss vieler kleiner Firmen zu großen Konzernen, hat die auch gastwirschaftliche Landschaft verändert. Jetzt kommen Prospekte und ganze Magazine ins Haus geflattert. Emails mit Video  und Tipps ohne ende um jedes Produkt in die Restaurantküche zu bringen das der Weltmarkt bereit hat.  mit Das scheint billiger, und die Werbung wird durch teilweise prominente Leute aus dem Kollegenkreis verbreitet. Persönlicher Kontakt besteht keiner mehr.

Starköche kochen vor, was Otto Normalverbraucher - Koch in der Provinz zukünftig brutzeln soll. Prominente Nasen testen den Wein für Gourmettempel, Stammtische und Sportstüberln im Land. Machs so wie wir und Du kannst Besser sein!

Wer aber ein tüchtiger Handwerker sein will, macht sich immer gut wenn er seinen ganzen Stolz nicht bei den Produkten aus dieser Intensiv-Werbung hat, sondern sein Glück aus seiner eigenen Kunst zieht. Er kann damit stets genügsam und zufrieden auf sein Leben blicken. Nichts ist abträglicher einem ruhigen Gemüt als dass man etwa einen Wirt Jammern hört, er sei zu Besserem geboren. so produzieren sich wirte und Köche sehr oft wie Amsterdamer Fensterprostituierte in  Gastronomie Internen Zeitschriften, die für Auftau - Aufgebackene Brötchen bis zur Zanderrolle an Petersilschäumchen alles bewerben was im C&C Markt geboten wird.

Dabei gibt es nichts Besseres als das Gute. Und das Selbstgefundene befriedigt am meisten. Das erkennt man beim Schwammerlsuchen im Wald wenn man vor einem stolzen Herrenpilz in Ehrfurcht vor seinem eigenen Finderglück erschrickt.

Heute hat auch der Staat eine unsinnig dicken Bauch und es gibt in allen Bereichen neuartige Vertreter. Sie werden immer mehr. Doch sie kommen nicht mehr persönlich ins Haus, man findet ihre Spuren als Gütesiegeln an Sauerkrautdosen, Schneidemaschinen Fritösen und  Mineralwasserflaschen. Wo auch immer etwas verkauft wird sind sie auf der Suche nach ihren Marktnischen. sie kümmern sich um Grenzwerte bei Farbstoffen und Urananteile im Mineralwasser. Wozu? Damit es uns oder unseren Gästen besser geht?

Nein, sie verkaufen ihre Gütesiegel, die dann ganze Wissenschaften an Vorteilen vertreten. Bio, Öko und so weiter, genfrei, ohne unerlaubte Zusatzstoffe, die Möglichkeiten scheinen ohne Ende zu sein, um sich ohne viel Arbeit an der Arbeit anderer zu bereichern.

Unser Leben wir durch diese Vertreter nur kostspieliger nicht besser. Außer den Gelehrtern gibts noch "Literaten", außer den leidenden Volksschichten gibts noch schwätzende, prahlerische Tunichtgute und Tagediebe, welche jenes Leiden "vertreten"- oder auch die Berufspolitiker welche sich wohlbetucht und superreich für die Notstände im Land vor dem Parlament mit starker Lunge einsetzen "die einfachen Leute vertretend".

Auf dem Fuß folgen dann Inspektoren und damit kostspielige Gebühren für Gütesiegel und Vermarktungskreise, die am Ende dem Erzeuger nichts, und dem Endverbraucher nur eine verteuerte Ware einbringen.

Die Menge an Zwischenpersonen; es gibt vielleicht noch ein paar Dörfer in Restjugoslawien oder in irgendwelchen Zipfeln Portugals, Griechenlands oder Spaniens wo der Mensch wie ich es mir vorstelle, wie man es versuchen soll zu sein, noch selber auftritt und der natürlich nichts auf diese Zwischenhändler und modernen Vertreter gibt, außer einen kräftigen Tritt in deren Hintern!....

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Von Amphicles

Ein unverfänglicher Leitgedanke

Es lohnt sich für jeden begeisterten Koch in den Geschichtsbüchern das Wesentliche nach zu lesen: Dass es nicht notwendigerweise das Beste ist, die extravagantesten Abfälle in der Küche zu haben damit es aussieht man sei ein guter Koch.

Amphicles lebte im griechischem Altertum etwa um 350 vor unserer Zeitrechnung. Über ihn berichten namhafte Autoren des gesamten Altertums, dass seine Botschaft an die Köche eine Ermahnung zur "Bescheidung" war. In den feudalen Herrenhaushalten seiner Zeit kam es zu exzessiven Ess- und Alkoholorgien (Baccanalien - Cerealien)  welche sehr oft mitunter auch den Tod ganzer Tischgesellschaften zur Folge hatten. Alle durch lange Erfahrung gesammelten Ernährungsregeln wurden außer Acht gelassen und brachten dieser altertümlichen Zivilisation ähnliche Krankheitsbilder wie wir sie heute wieder beobachten können. Fettleibigkeit, in Folge davon Zuckerkrankheit und Krebs. Frühe Tode und Trauer in den Familien über Siechtum als Folge der Völlerei. Die antike Küche gegen den Hochmut siegte, und ihr Ruhm geht durch die Jahrhunderte. Im Rom des 2. Jhdts v. Chr. führte man eigene Gesetze gegen den Luxus an den Tafeln ein. Kochrezepte mit offenbar schädlichen Speisen wurden untersagt.  Die Küche blieb bis ins Mittelalter auch Sache der Ärzte.  Friedrich von Rumohr der deutsche Feinschmecker und Schriftsteller an Anfang des 19. Jahrhunderts dachte sich als Wiedergeborener Amphicles, als er sich damals über die Ausbreitung der verfälschenden französischen Kochkunst in Deutschland empörte.

Amphicles war ein gefeierter Meister der es verdient von uns zumindest in seiner geisitgen  Haltung zu den essbaren Dingen wiederentdeckt zu werden. Es gibt keine Rezepte von ihm, man kennt ein Hasengericht. seine Botschaft war : "Im einfachen ist das Wahre!" Es  kann so auch nur gelingen ihn als Metapher für die Wahrheit am Herd wieder auferstehen zu lassen. Aber das genügt. Er alleine beobachtete die Auswüchse der Kochkunst seiner Zeit richtig und in seinen überlieferten Lehren brandmarkte er die Küche Griechenlands als barbarisch, dumm und bar jeder Vernunft überhaupt.  Sein Werk widmete er einer verständlicheren Logik Naturprodukte auf besonders schonende Weise zu veredeln und dem Esser ein besser schmeckendes wie auch nährstoffhältigeres Essen zu gestalten.

Das Naturprodukt fand eine einfache Zubereitung. Einen Hasen grillte er am Spieß, netzte ihn mit Salbeiwasser und Koriander und servierte ihn mit einfachen Beilagen. Er meinte ein Spanferkel sollte man nicht braten, sondern einfach auf einem Sud aus guten Kräutern im Dampf langsam garen. Lerchen in Weinblättern und die Rotbarbe briet er mit Feigenblätter. Niemand, so berichten seine Biographen beherrschte die Würzkunst  besser  als er. Er war aber ein konsequenter Gegner des Überwürzens von Gemüse oder Fleisch. Er verwendete Gewürze sogar in Soßen nur sparsam. Theotime schreibt über seinen Freund dass dort wo seine Koch Kollegen mehr als 50 Zutaten verwendeten Amphicles nur drei bis vier Ingredienzien verwendet hatte.

Die nach dieser Grundhaltung entstandenen Rezepte von Amphicles finden sich in vielen Schriften über die Kochkunst noch durch das Mittelalter und in französischen Kochbüchern sogar noch fast bis in unsere Zeit. Der Zeitgeist hat ihn jetzt verdrängt. Die Hochmutsküche, wie amphicles das jetzt bezeichnen würde, welche derzeit die Hotel und Restaurantküchen voll im Griff hat will diesen unbequemen Denker lieber unter dem Geröll des Altertums verschwunden wissen. Würde Amphicles heute noch gedacht werden, wären fast alle Kochbücher umsonst geschrieben worden. Denn es bedarf keiner Kochbücher um diese Kunst zu beherrschen.

Die Kochbücher sind jetzt wohl auch nur dazu da die Supermärkte täglich zu leeren und rundweg teuren Abfall zu produzieren. Nebenbei füllen sich gerissene Schreiber ihre Geldbeutel damit. Dabei sind bei weitem fast alle Kochbücher nur auf die eine oder andere Art abgeschrieben. Plagiatoren durchforsten jede Sammlung aus den früheren Jahrhunderten und versuchen das gefundene dann in ein neueres Werk umzusetzen. Am Ende erscheint dann ein unhandlicher Schmöker mit schönen Bildern.

Amphicles hat kein Kochbuch hinterlassen das in einem Stück vorhanden war, wohl aber ein paar gastronomische Merksätze.

Gute Küche ist die Nahrung für ein klares Bewusstsein!

Eine Armee zu befehligen benötigt den selben klaren Intellekt, wie das Bereiten eines guten Essens.

Wenn es einmal keine Kochkunst mehr auf der Welt gibt, dann werden keine Briefe mehr geschrieben, kein intellektuelles Gespräch mehr geführt, keine erfreulichen Bekanntschaften mehr gepflegt und keine soziale Einheit mehr sein.

In diesen Worten hat er vielleicht sogar unsere Zeit vorausgesehen!